Wenn ich Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik lese, muss ich schon immer schmunzeln. Wenn dann noch Nachrichten wie diese reintrudeln, artet es schnell zu fortgeschrittenem Schenkelklopfen aus, obwohl es eigentlich ziemlich ernst ist.

Snowden und Greenwald haben mit einigermaßen einfachen Mitteln geheim und offensichtlich für die NSA nicht (und dementsprechend vermutlich auch für niemand anderen) abfangbar kommuniziert. Sie verwendeten dafür Software, die frei verfügbar, quelloffen und zichmal auditiert worden ist. Auf Hardware, die man in jedem Mediamarkt kaufen kann.

Statt sich solcher Infrastruktur zu bedienen und sie eventuell mit den gegebenen finanziellen Mitteln zu unterstützen, lässt die Bundesregierung auf Biegen und Brechen eigene Sicherheitsinfrastruktur entwickeln, die aber offensichtlich weder besonders einfach zu benutzen noch irgendwie ansatzweise sicher ist. Wenn ich das Wort Kryptohandy lese, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Und dann verschicken die das auch noch mit der Post und wundern sich hinterher, wenn es abgefangen wurde… m(

Es ist unfassbar, mit welchem sowohl finanziellen als auch personellen Aufwand dort Steuergelder verbrannt werden. Ein an Dilletantismus kaum zu überbietendes Schauspiel!

Wer sich mal ein bißchen tiefgründiger mit der aktuellen Griechenland-Problematik beschäftigen will, dem empfehle ich die Arte-Doku über die Troika. Warnung: gerade für Europa-Befürworter wie mich ist es sehr deprimierend!

Zum Thema eigene Websites hat Johnny Häusler einen lesenswerten Gedanken geäußert. Punch line:

Wer abends ein Bier trinken gehen will, geht nicht in die Brauerei, sondern in ein Lokal seiner Wahl.

An dieser Stelle eröffnet sich die Frage, ob man den Fortschritt immer einfach so akzeptieren muss, oder ob man ihn vielleicht selbst steuern kann. Wer sagt denn, dass die kommerziellen Social Networks der Weisheit letzter Schluss sind? Klar gibt keiner mehr URLs in Adresszeilen ein, vor allem nicht auf Telefonen. Dass die Links, die stattdessen angetippt werden, unbedingt auf Webportalen von amerikanischen Kapitalgesellschaften verteilt werden müssen, hat jedoch niemand gesagt. Ich mach hier ja auch nichts anderes als Links verteilen.

Man muss nur dieses oh, der feine Herr betreibt ein Blog, der hat aber viel zu sagen aus dem Kopf kriegen und das ganze ein bißchen lockerer sehen. Die Leute, die noch in IRC-Chats abhängen (ja, davon gibts noch welche) schmeißen auch öfter einfach nur einen Link in den Kanal, oft sogar erstmal unkommentiert. Die die es interessiert klicken drauf und werden schlauer, und die anderen nicht. Und das ganze passiert, ohne dass ein einzelnes Unternehmen diesen Vorgang protokolliert, den jeweiligen Protagonisten in eine bestimmte Schublade steckt und damit Profit macht.

Darum geht es doch nur: Privatsphäre durch Dezentralität. Man muss Privatsphäre natürlich haben wollen. Leider ist den meisten heutzutage entweder völlig egal oder überhaupt nicht bewusst, was es mit dieser Privatsphäre auf sich hat. Nackt durch die Straßen gehen trotzdem die wenigsten, und die Wohnungstüren sind auch meistens geschlossen. Das Bewusstsein dafür, dass man sich auf Facebook unbemerkt völlig entblößt, fehlt leider viel zu oft. Schlimmer noch, selbst Institutionen, die sich Aufklärung in Sachen Social Media auf die Fahnen schreiben, rudern zurück, wenns drauf ankommt, weil sonst einfach keiner zuhört. Das ist schon hinreichend frustrierend, wenn ich das mal so sagen darf.